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Allgemeiner Arbeitsmarkt - Werkstättentag 2001

Grußwort von Karl Finke zum Werkstättentag 2001 vom 9. - 11. Mai 2001 in Rostock

Als Behindertenbeauftragter des Landes Niedersachsen freue ich mich, am WerkstättenTag 2001 teilnehmen zu können, danke den Organisatoren für die geleistete Arbeit und hoffe auf einen interessanten und erkenntnisreichen Dialog. Dieser WerkstättenTag findet unter besonderen politischen Vorzeichen statt, die zahlreichen Beschäftigten in den Werkstätten völlig neue Wege in das Berufsleben ebnen können.

Wie Sie wissen, ist zum 1. Oktober 2000 das Schwerbehindertengesetz novelliert worden. Es heißt jetzt ?Gesetz zur Sicherung der Eingliederung Schwerbehinderter in Arbeit, Beruf und Bildung?. Dies ist mehr als nur die Umbenennung eines Gesetzes. Es ist ein vorsichtiger, aber spürbarer Wechsel: Von der Betreuung von Menschen mit besonderen Fähigkeiten in Werkstätten hin zu dem Ziel, ihnen den Wechsel auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erleichtern. So sind nach der Neufassung des Schwerbehindertengesetzes endlich in allen Arbeitsamtsbezirken in Deutschland Integrationsfachdienste einzurichten. Darüber hinaus steht auch den Werkstattbeschäftigten ein gesetzlicher Anspruch auf Arbeitsassistenz zu. Damit sind für sie Wege in den allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtert worden. Seitdem es Werkstätten für Behinderte als regelhaftes Angebot gibt, ist erstmals für Menschen mit Behinderung die Wahlfreiheit ermöglicht worden. Sie haben jetzt selbst die Entscheidungsmöglichkeit, ob Sie in einer Werkstatt arbeiten oder ob Sie sich vielleicht lieber auf dem so genannten allgemeinen Arbeitsmarkt bewähren wollen.

Nun bin ich natürlich Realist genug, um zu wissen, daß nicht alle rund 180.000 Beschäftigten in den Werkstätten für Behinderte auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten wollen, arbeiten können und arbeiten sollen. Deshalb stellt sich die berechtigte Frage: Welche Perspektiven haben Sie, verehrte Damen und Herren als Werkstattbeschäftigte in Ihrer Einrichtung? Mit dem von der BAG:WfB anvisierten Begriffswechsel von der derzeitigen Werkstatt für Behinderte (WfB) zur Werkstatt für Arbeits- und Berufsförderung wird deutlich, daß dieser Personenkreis beruflich qualifiziert und gefördert werden soll und die Werkstätten diese Aufgabe übernehmen müssen. Arbeit, Bildung und Qualifizierung ist fester Bestandteil einer zukunftsorientierten Werkstatt und organisiert Zu- und Übergänge in unterschiedliche Lebensbereiche. Lebenslanges Lernen als Eingliederungsangebot muß auch im Arbeitsbereich fortgesetzt werden.

Das heißt für mich folgerichtig, daß der bisherige Arbeitstrainingsbereich zu einem Berufsbildungsbereich werden muß. Ziel dieses Berufsbildungsbereiches ist es, zukünftig auch Menschen mit besonderen Fähigkeiten auf eine berufliche Tätigkeit vorzubereiten, und zwar nicht nur in der Werkstatt für Behinderte. Künftig sollten Werkstätten verbindliche Ausbildungspläne und Schritte mit Ihnen, den Rehabilitanden, vereinbaren. Diese Verträge müssen so differenziert und dennoch so verständlich sein, daß sie von Ihnen überprüft werden können. Am Ende des zukünftigen Berufsbildungsbereiches muß dann eine von den jeweiligen Möglichkeiten und besonderen Fähigkeiten abhängige Ausbildung stehen, die die einen dazu qualifiziert, in der Werkstatt tätig zu werden, den anderen ermöglicht, außerhalb der Werkstatt zu arbeiten. Unverzichtbar ist für mich darüber hinaus, daß der Berufsbildungsbereich künftig von regelhaft zwei auf drei Jahre verlängert wird. Davon muß allerdings für alle, die das wollen und können, ein Jahr (ggf.. auch in Teilabschnitten) außerhalb der Werkstatt in Form von Praktika auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt stattfinden.

Diese Ausgestaltung der von mir hier nur umrissenen Veränderung der Werkstatt zum Ausbildungsbetrieb, bedarf sicherlich noch vieler Konkretisierungen und konstruktiver Diskussionen. Da zur Zeit gleichzeitig an der Mitwirkungsverordnung für Werkstätten für Behinderte gearbeitet wird, möchte ich an dieser Stelle insbesondere Sie als Mitglieder der Werkstatträte auffordern, sich in die Auseinandersetzung einzubringen und auch in Ihren Werkstätten darauf zu pochen, daß zukünftig nicht nur qualifizierte Ausbildung für die Werkstatt stattfindet, sondern auch Ausbildung, die Ihnen allen die Möglichkeit gibt, sich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu bewähren. In diesem Sinne wünsche ich nochmals interessante Diskussionen und vorwärtsweisende Ergebnisse.